Medaillen

Prägend

Im Laufe des 19. Jahrhunderts begannen sich die Abbildungen von Wissenschaftlern auf Medaillen von ihren antiken Vorbildern zu lösen, auf denen der jeweilige Herrscher zumeist im Profil gezeigt wurde und seine Individualität zugunsten seiner Herrschaftsrepräsentation zurücktrat. Die dem französischen Chemiker Michel-Eugène Chevreul (1786-1889) gewidmete Medaille von 1886 zeigt ihn auf der Vorderseite zwar ebenfalls im Profil, seine Gesichtszüge erscheinen jedoch ausgeprägter und individualisierter – besonders sein zerzaustes Haar ist deutlich herausgearbeitet. Damit wird Chevreul als weltfremder Pedant stilisiert, der allem Weltlichen abgewandt ist. Der Figur des zerstreuten Professors, wie sie dann vor allem im 20. Jahrhundert populär werden sollte, zeichnet sich hier bereits ab.

Medaille aus dem Besitz Otto Wallachs mit dem Bildnis des Michel-Eugène Chevreul (1786-1889), Professor für angewandte Chemie am Musée d’Histoire Naturelle Paris, Oscar Roty, 1886, Bronze, Durchmesser 70 mm, Museum der Göttinger Chemie, Universität Göttingen, Inv.Nr. MGC_00251

Prägend

Anlässlich ihrer 50-jährigen Dienstjubiläen wurde dem Rechtswissenschaftler Georg Ludwig Böhmer (1715-1797) und dem Staatsrechtslehrer Johann Stephan Pütter (1725-1807) eine Medaille gestiftet. Auf dem Doppelportrait der Medaille zeigt sich ein Verhältnis von Konformität und Individualität, wie es ganz typisch war für die Repräsentation von Professoren im 18. Jahrhundert. Beide werden jeweils im Profil nach links gewendet gezeigt, Ausschnitt und Kopfhaltung sind gleich gewählt. Und obwohl beide individuelle Züge aufweisen, erscheint die Darstellung doch uniform und weist sie als Teil einer größeren Professorengemeinschaft aus.

Bildnismedaille der Dorothea von Schlözer (1770-1825), eine der sog. „Universitätsmamsellen“, Heinrich-Gerhard Bücker, 1958, Bronze, Durchmesser 43 mm, Münzkabinett, Univeität Göttingen, Inv.Nr. Inv. Orig.1987-6
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